Geflügelzuchtverein Grüna e.V. -gegründet 1897-
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Hier veröffentlichen wir Beiträge rund um die Zucht

 

 

Ein richtiger Jahresabschluss beinhaltet doch viel.

 

Obwohl für einen Jahresabschluss meist das Kalenderjahr herangezogen wird, zieht sich der Jahresabschluss für uns Züchter von Oktober bis Januar. Der Abschluss eines Zuchtjahres beinhaltet neben einen kritischen Rückblick auf das abgelaufene Zuchtjahr auch schon die Planung der Zucht fürs kommende Jahr.

Dazu kommt noch einige Schreibarbeit, die erledigt werden muss. Dass sind ganz

normale Abläufe im Zuchtjahr, denen aber oft zu wenig Beachtung geschenkt wird.

Obwohl trotz aller Schwierigkeiten je nach Rasse, Farbenschlag und auch Verbreitungsgrad eine Zucht nach oben zu bringen ist, wird es weit problematischer, eine gute Zucht über Jahre auf diesem Stand zu halten.

Vor allem gute Ausstellungsergebnisse lassen manchen guten Vorsatz leicht

vergessen.

Hier spielt natürlich auch unbewusst der Preisrichter eine gewisse Rolle. Er bewertet das Tier, so wie es sich im Käfig darstellt, weist unter Wünsche auch auf kleine Fehler hin, die man nicht wahrnimmt, da es ja immerhin noch zu 94 Punkten gereicht hat.

Hier sollte man schon, was die Zucht betrifft, den „Wünschen“ mehr Beachtung schenken als der Benotung. Denn Schwachpunkte in der Zucht schleichen

sich über die Jahre langsam, oft unbemerkt ein.

 

In einer guten Zucht, darf auch neben all den guten rassischen Merkmalen die vorhanden sind, die „Leistung“ nicht vergessen werden. Vor allem in der Hühnerzucht wird Leistung meist nur über die Eierzahl wahrgenommen und nicht beachtet, dass hier noch viel mehr dazu beiträgt.

Befruchtung, Schlupffähigkeit, Ablauf der Mauser, Beschaffenheit der Eier und vor allem Vitalität. Obwohl hier auch die Haltung und Ernährung mit eine Rolle spielt, ist dies nur über eine strenge Zuchtauslese zu bewerkstelligen.

Schon bei der Zusammenstellung des Zuchtstammes entscheidet der Züchter, ob die

„Leistung“ mit eingebracht werden soll.

Lieber Zuchtwart, erklären sie einem Züchter, dass er seinen mit 96 Punkten bewerteten Hahn nicht in die Zucht einbauen soll, da er von der leistungsschwächsten Henne abstammt?

Hier werden sie vermutlich wenig Gehör finden.

Dass sind aber Entscheidungen, die ausschlaggebend sind, einen guten Fortbestand einer Zucht zu garantieren.

Die Weichen hierfür werden schon gestellt, nach dem die Küken geschlüpft sind. Harte Selektierung während der gesamten Entwicklung. Bleibt ein Jungtier in der Entwicklung zurück, sofort aus dem

Bestand nehmen, auch wenn es noch so viel versprechend ist.

Tiere die sich abweichend langsam entwickeln, können bis Oktober ihre Größe/Gewicht erreicht haben.

Dann wandern sie unbemerkt auf Grund ihrer rassisch guten Eigenschaften in den Zuchtstamm.

 

Die zweite Entscheidung treffen wir beim Zusammenstellen des Altstammes. Hier wissen wir schon, wie die Ergebnisse der letzten Brutsaison waren. In Bezug auf Lebenskraft und Vitalität sollten nur Hennen eingesetzt werden, bei denen es auch mit der Befruchtung und den Schlupfergebnissen zufrieden stellende Ergebnisse gegeben hat. Hier fällt natürlich die Entscheidung schwer, wenn von zehn

Bruteiern nur 3 befruchtet waren und daraus ein Küken schlüpfte, aus dem dann der Spitzenhahn wurde.

Auch wenn es schwer fällt, sollte man hier weit blickend die richtige Entscheidung fällen.

 

Bei unseren Tauben sieht es doch genauso aus. Auch hier darf man eine je nach Rasse geforderte Leistung nicht unterschätzen. Man hat ja von seiner Rasse bestimmte Erwartungen in der Nachzucht, die wir fördern müssen.

Haben wir genügend Nachzucht, können wir auch rechtzeitig und früh selektieren

und Platz für das Gute schaffen. Bei der Zusammenstellung der Zuchtpaare sollten wir nicht nur die rassischen Merkmale im Auge behalten.

Beim Jahresrückblick werden wir gemerkt haben, dass noch manches Zuchttier im Bestand ist, das in der Zucht versagt hat. Nicht in der Qualität der Nachzucht,

sondern im ganzen Brutverhalten. Dazu zählt Befruchtung, Aufzucht der Jungtiere, Nesttreue und manches mehr.

Nimmt man diese Versager gleich nach Abschluss der Zuchtsaison aus dem Bestand, kommt man nicht in Verlegenheit, sie wieder in die Zucht mit einzubauen. Obwohl Haltung und Fütterung auch hier eine gewisse Rolle spielen, ist ein schlechtes Brutverhalten in der Vererbung verankert.

Dies belegt die über Jahrzehnte lange Auswertung der Zuchtbücher bestimmter Rassen. Warum gibt es innerhalb einer Rasse Zuchten, bei denen die Erwartungen über Jahre erfüllt werden, aber auch Zuchten, die in der Nachzucht immer hinter her hinken?

Es liegt also nicht immer an den Schwierigkeiten einer Rasse, sondern nach der richtigen Weichenstellung für die Zukunft. Dies betrifft unsere Hühner genauso wie unsere Tauben.

Vitalität, Lebenskraft und Vermehrungsfreudikeit im Bestand zu halten oder einzubringen geht nicht in einem Zuchtjahr, sondern festigt sich über Generationen.

Übrigens sollten wir auch einmal die gute Leistung unseres Rassegeflügels ins richtige Licht stellen.

Unsere Rassehühner sind bis auf wenige Ausnahmen nachweisbar in den letzten 30 Jahren in ihrer Leistung nicht besser oder schlechter geworden.

Nach Aufzeichnungen ab 1978 hatten z.B. unsere Zwerg Wyandotten vor 2 Jahren im Gesamtschnitt ihre beste Legeleistung.

Die Zahlen die wir jährlich auflisten, sind Ergebnisse unserer Hobbyzüchter und nicht immer gekonnt/gewollt förderlich für die Leistung, welche die Tiere in einer Wirtschaftshaltung bringen könnten.

Hier stellt sich immer wieder die Frage, sind die Standardforderungen Ergebnisse aus der Hobby- oder Wirtschaftsgeflügelzucht?

 

Wie Eingangs schon erwähnt, bleibt uns auch einige Schreibarbeit nicht erspart. Nicht nur zum Übergang in ein neues Zuchtjahr, sonder schon das ganze Jahr über. Es beginnt bei der Zusammenstellung der Zuchtstämme/Zuchtpaare, wo besondere Vermerke zu den Zuchttieren fest gehalten werden müssen.

Dazu der Ablauf der Brutsaison und Aufzucht bei Hühner und Tauben. Auch die Gründe der Selektion schriftlich festhalten.

Nach Ende der Schausaison nicht nur die Bewertungsnote und Preise festhalten. Wichtiger bei den Zuchttieren die Wünsche, die der Preisrichter aufgeführt hat, denn jede Abweichung schleicht sich, wie schon erwähnt langsam, oft unbemerkt in die Zucht ein.

 

Ralf George

 

( Quelle Zuctwartebriefe, Verband Bayern.Veröffentlicht mit freundliche Unterstützung v. Zuchtfreund Ralf George/Text nachbearbeitet von H.Storch)

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