Geflügelzuchtverein Grüna e.V. - gegründet 1897 -
 Geflügelzuchtverein Grüna e.V.   - gegründet 1897 -

Hier veröffentlichen wir Beiträge rund um die Zucht

Der Zuchtstamm

Am Anfang eines jeden Zuchtjahres steht der Zuchtstamm. Welchen Hahn nehme ich in die Zucht? Wie viele Hennen sollen es sein? Diese Frage stellt sich jeder Züchter alljährlich und es ist nicht immer einfach.

Man sollte mit der Zusammenstellung des Zuchtstammes nicht allzu lange warten, denn die Tiere müssen sich aneinander gewöhnen, was bei schweren Rassen mit frühem Brutbeginn in Bezug auf die Befruchtung zu beachten ist.

Die auserwählten Hähne sollten möglichst früh mit ihren Hennen zusammen gehalten werden, wenn die Zuchthennen zu spät zugeführt werden, ist es möglich, dass es anfangs zu schlecht befruchteten Eiern führen kann.

Bei der Zuchtstammzusammenstellung gibt es kein Wundermittel. Die Gedanken um den neuen Zuchtstamm beginnen in der Regel bei den versierten Züchtern verhältnismäßig früh. Schon die Entwicklung des Jungtieres wird kritisch verfolgt. Bei der Zusammenstellung des Stammes muss man den Standard der betreffenden Rasse beachten und sollte auch die Ratschläge der Sondervereine ebenfalls berücksichtigen. Gerade die Sondervereine sind Richtungweisend. Natürlich sollte das Hauptaugenmerkmal auf die Gesundheit der Tiere gerichtet sein, Kranke, kränklich erscheinende und schwache Tier werden vor der Zucht ausgeschlossen. Wenn man sich für den Hahn entschieden hat, steht die Frage nach der richtigen Anzahl von Hennen im Zuchtstamm im Raum. Auf eine ausreichende Anzahl kommt es schließlich an. Welche dies aber ist, daran scheiden sich die Geister. Einer oder mehrere Stämme. Eher große oder kleine Stämme? Worauf sollte man bei diesen Überlegungen achten? Nachfolgend ein Überblick und ein paar Gedanken.

 

Ansprüche

Zunächst sollte man immer abwägen, wie viel Platz für die Aufzucht der Jungtiere zur Verfügung steht. Dies ist schon fast der wichtigste Faktor für die Zuchtstammgröße. Viele Züchter orientieren sich an selbst gesteckten Zielen, legen eine Maximal- oder Minimalzahl an Küken fest. Zumeist beruht dies auf der Erfahrung mit der Aufzucht und Handhabung dieser. Je besser man seine Rasse kennt, umso idealer ist es. Einfachste Rechnungen sind dabei anzulegen. Wie ist die Befruchtung im Normalfall?

Wann sollen die Küken schlüpfen und wie viele Bruten werden geplant? Mit einer festen Größe an gewollten Jungtieren können wir in der Folge die Planung des Zuchtstammes beginnen.

 

Rassen unterscheiden sich

Die Vielfalt der Rassen macht es unmöglich, auf alle einzugehen. Wir können aber durchaus Rassen zu Gruppen zusammenfassen und allgemein gültige Hinweise aufstellen. Letztendlich kommen wir dann zu einem Verhältnis von Hahn zu Hennen, das sowohl der Rasse als auch den Ansprüchen an diese gerecht wird. Generell je voluminöser die Rassen beschaffen sind, umso kleiner sollten die Stämme ausfallen. Eine eindeutige Festlegung auf eine bestimmte Hennenzahl gibt es bei keiner dieser Rassegruppen.

Ist die Leistung bei größeren Stämmen zufriedenstellend, so sollte die Zucht auf solche aufgebaut werden.

Bei den Kämpfern gilt grundsätzlich mit kleineren Stämmen zu züchten. Mit höchstens fünf Hennen, die Typausprägung, die hier neben den Merkmalen im Mittelpunkt steht, wird nicht in der Breite vererbt. Bei den Urzwergen sind mehrere kleine Stämme dagegen das erfolgsversprechende Mittel, auch um einer zu engen Verwandtschaft der Tiere entgegen zu wirken. Die verzwergten Rassen benötigen nicht so viel Platz. Wenngleich fünf bis zehn Hennen bei vielen Rassen kein Problem sind, so ist weniger meist besser. Qualitativ macht sich dies sicher bemerkbar. Eine Pauschalisierung innerhalb der Gruppen ist natürlich nicht möglich.

 

Die Zuchtziele

Nicht jede Rasse kann auf eine konstante Nachzuchtqualität verweisen. Neben der Farbe und Formgebung finden wir auch in den Kopfpunkten häufig große Schwankungen. All dies muss bei der Zuchtstammzusammenstellung berücksichtigt werden. Die eigenen Erfahrungen und die anderer helfen bei jeglichen Überlegungen bezüglich der Zuchtstammgröße weiter. Mit kleinen Zuchtstämmen lässt sich schneller ein Zuchtziel verwirklichen, gleichzeitig verengt sich damit aber auch die Zuchtbasis. Ein Hahn vererbt nur seine Merkmale auf alle Hennen, mehrere Hähne und Stämme schaffen eine breitere Zuchtgrundlage. Wenn nur ein einziger Hahn zum Einsatz kommt, so sollte nach Möglichkeit mindestens ein weiterer in Reserve gehalten werden. Ebenso sollte nach der Zuchtzeit nicht zuerst der Zuchthahn geschlachtet werden. Über Rückpaarung, also Inzucht oder Inzestzucht ein qualitativer Zuchtfortschritt

schneller erreichbar. Ein weiterer paralleler Zuchtstamm bietet daneben die Gewähr ein einer

breitere Zuchtgrundlage und schließt zu große Inzuchten, also einen Leistungs- und Vitalitätsabfall aus.

 

Qualität

Die Nachzucht soll die Qualität der Elterntiere widerspiegeln oder Verbessern. Da wir keine reinen Vermehrungszüchter sind, gilt es folglich schon bei den Ausgangstieren äußerste Sorgfalt anzuwenden. Sind nur wenige Tiere erfolgversprechend, sollte man auch nur auf diese zurückreifen.  Ein großer Zuchtstamm, der viele verschiedene Merkmalsausprägung in sich vereint, verspricht auch genau diese für die Nachzucht. Ein züchterischer Fortschritt ist damit kaum zu erzielen. Weniger ist in dem Fall eben doch mehr.

 

Zuchtstamm- Zusammenstellung

Erfolg stellt sich nicht nur ein, wenn die richtige Zuchtstammgröße gewählt wird, sondern auch wenn die Vorbereitung stimmt. Tageslichtverlängerung, Fütterung und Haltung sind ebenso bestimmende Faktoren. Es genügt nicht den Hahn in den Stamm zu stellen, sondern es kann einige Zeit dauern bis der Hahn sich behauptet. Gerade bei der Zucht mit Alttieren darf dieser Aspekt nicht unterschätzt werden.

Der Zeitpunkt der Zusammenstellung richtet sich dann nach den Rasseeigenheiten und der Entwicklungszeit, die die Nachzucht zur Reife benötigt. Zwischen sechs und neun Monaten liegt die normale Entwicklungszeit der Jungtiere fast aller Hühnerrassen. Für große Hühner sind die Monate Februar oder März ideal, Zwerghühner können auch im April oder Mai problemlos schlüpfen und werden fertig. Bei der Berechnung der eigenen Zeitplanung muss dies berücksichtigt werden.

 

Fazit

Die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten für Alt- und Jungtiere, die Qualität des Ausgangsbestandes und die individuellen Zuchtziele sind zu beachten. Es sind eben viele Komponenten die wir mit einbeziehen müssen, von der Vitalität und Leistungsfähigkeit der Tiere einmal ganz abgesehen.

Diese sind natürlich eine Grundvoraussetzung für jeglichen Zuchterfolg.

Jeder Züchter muss für seine Rasse das beste Rezept herausfinden, denn ein V, HV oder SG 95 Tier ist kein Garant einer gefestigten Blutlinie. Züchten hießt im übertragenen Sinne, viele Bausteine gewissenhaft zuzuordnen und dafür muss man nicht nur Geduld, sondern insbesondere ein gutes Einfühlungsvermögen haben. Rassekenntnis ist beim Züchten nun einmal unbedingt erforderlich, aber es gehört zum Züchten noch viel mehr.

 

Viel Erfolg in der Zucht 2020

 

 

Mit freundlicher Genehmigung von Zfrd. Ralf George

 

 

 

 

 

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